Familien.- Systemtherapie

In der systemischen Aufstellungsarbeit, die mit der Familienaufstellung nach Bert Hellinger begann, wird sichtbar, dass wir alle Teil eines Familiensystems sind und mit diesem schicksalhaft verbunden sein können. Viele unserer täglichen Schwierigkeiten in Familie, Ehe, Partnerschaft und Beruf haben ihren Ursprung in unserer Herkunftsfamilie. Oft übernehmen wir unbewusst Verhaltensweisen, Gefühle und schwere Schicksale von anderen Familienmitgliedern und identifizieren uns mit ihnen. Mit Hilfe der Familienaufstellung können diese Verstrickungen wahrnehmbar gemacht und somit ins Bewusstsein gebracht werden. Wir erhalten beim Familienstellen ein neues inneres Bild, welches in unserer Seele heilend weiterwirken kann. 

Bei der systemischen Aufstellungsarbeit werden Stellvertreter aus der Gruppe als Familienmitglieder ausgewählt und im Raum aufgestellt. Die Stellvertreter nehmen an ihren Plätzen durch das sogenannte „wissende Feld“  Veränderungen in ihrer körperlichen Befindlichkeit und ihren Gefühlen wahr. Oft bekunden die Stellvertreter gegenüber Stellvertretern anderer Familienmitglieder ganz klare Meinungen respektive Gefühle. Die Kursleiter entwickeln gemeinsam mit den Stellvertretern - durch Verändern der Position und Aussprechen von heilenden Sätzen - ein neues Bild.
Jede Aufstellung, die eigene wie auch die Teilnahme in Aufstellungen anderer, wirkt erkennend und lösend auf die eigene Geschichte.

Viele unserer alltäglichen Schwierigkeiten haben ihren Ursprung in unserer Herkunftsfamilie und daraus entstandenen Verstrickungen. Die nachfolgende Liste zeigt einige Situationen, bei denen die Aufstellungsarbeit zu positiven Veränderungen führen kann:

Persönliche Konflikte in der Partnerschaft oder der Gegenwartsfamilie wie z.B. Krise, Flucht, Trennung.

Gewaltanwendung, Adoption, Abtreibung, Suchtprobleme, Patchworkfamilien, verhaltensauffällige Kinder, Verlust von Kindern.

Persönliche Auseinandersetzung mit der Herkunftsfamilie wie z.B. Beziehungsklärung mit einzelnen Familienmitgliedern, Verstrickungen in der Familie, die oft zur Übernahme von Ängsten, Schuld, Trauer, Wut, Todessehnsucht, mangelndem Selbstwertgefühl bis hin zu psychischen und psychosomatischen Symptomen und Krankheiten führen können.

Unterstützung in belastenden Lebenssituationen wie schwierige eigene Geburt, lange Trennung von der Mutter in der frühen Kindheit, früher Verlust eines Elternteiles, schwere und/oder immer wiederkehrende Krankheiten, traumatische Ereignisse....

Wir leben in verschiedenen Netzwerken und Systemen von Menschen; früher in der Ursprungsfamilie, heute in unserer gewählten Partnerschaft oder Familie und einem Arbeitsumfeld. Immer wieder stossen wir im Alltag und im Zusammenleben mit anderen Menschen auf unsere Grenzen und Muster, hinter denen sich unser Potential versteckt. Diese Muster halfen uns einst, uns zurecht zu finden. Heute hindern sie uns daran, aus dem Vollen zu schöpfen.

Mit dem Aufstellen von Systemen in einer Gruppe können wir Zusammenhänge verstehen, spüren und auflösen, um danach kraftvoller unser Eigenes leben zu können. Wir können uns in Sicherheit und Vorsicht von den alten Verhaltensweisen lösen, unsere Potentiale und Stärken spüren und sie neu einsetzten.

Diese Arbeit schafft Sinn und Ordnung, begleitet,stösst innere und äussere Prozesse an und gibt uns Vertrauen ins Geschehen.

System- und Familienaufstellungen (Familien-Stellen) sind für Personen geeignet, die ihre Situation in Familie, Partnerschaft und/oder Herkunftsfamilie klären wollen. Die Aufstellungsarbeit hilft, sich von belastenden Gefühlen oder Verhaltensweisen zu lösen oder festgefahrene Lebensumstände zu ändern. Sie bietet professionelle Hilfe bei Störungen der Gesundheit und eignet sich für die Bearbeitung von Fragestellungen und Problemen im beruflichen Bereich.

Bei vielen Konflikten innerhalb von Beziehungen spielt das Sippenvermächtnis eine große Rolle. Ob ein früheres Schicksal wiederbelebt wird, ein früheres Unrecht geahndet werden soll, wie auch immer alte Bindungen noch wirken, da sie größtenteils unbewusst sind, können fatale Folgen entstehen. Oft entwickeln sich automatische Reaktionsmuster, die mit entsprechenden Gefühlen uns selbst bedrücken.

Zweierlei Erbe

Diese Kräfte werden weder durch gut gemeinte Vorsätze, intellektuelle Erkenntnisse oder Deutungen aus der Bahn gebracht. Unerledigte Familienthemen ziehen uns blind in ungelöste Schicksale der Ahnen. Sich von diesem Erbe zu lösen, aber auch das bisher nicht Gesehene anzuerkennen und das nicht Genommene aufzugreifen, zu integrieren und zu entfalten, ist das Wichtigste dieser systemisch- phänomenologischen Beratung oder Therapie. Mit Hilfe von System- oder Familienaufstellungen können belastende Verstrickungen erlebbar gemacht und wirksame Lösungsschritte eingeleitet werden. 

In der Gegenwart

Unsere Herkunft ist das Geschichtete, der Boden unter unseren Füßen, welcher unsere Gegenwart trägt. Wir können zwar behaupten: Es war und ist vorbei. Doch all das, was wir nicht verabschieden konnten, da es im Dunkeln lag oder für uns zu verwirrend, zu unübersichtlich, zu bedrohlich oder zu schmerzhaft war, ist auch heute noch wirksam. 
Das Wesen des Lebens ist Gegenwart und auch im Lebensbaum der Menschen sind alle Jahresringe gleichzeitig vorhanden und seine Kraft zieht er aus den Wurzeln.

Zweierlei Liebe

Bei Problemen in der Paarbeziehung oder der eigenen Familie ist wichtig wahrzunehmen, wie das Fundament des Paarseins, die Gleichwertigkeit, gestört werden kann. Liebesgefühle sind oft mit der Bedürftigkeit und den geheimen Absichten des inneren Kindes im Bunde. Diese Liebe glaubt sich dann berechtigt den anderen zu retten, zu bessern, zu schützen, zu erziehen oder liebend etwas in Ordnung bringen zu wollen, was lediglich verschoben ist und lange schon vorbei.

Hier bietet unser persönliches Gewissen kein Korrektiv. Und da wir vermeintlich aus Liebe handeln, glauben wir uns zu solchem Verhalten berechtigt oder gar verpflichtet. Wir wollen den Schaden nicht wahrhaben und ärgern uns dann über die Uneinsichtigkeit des Partners oder anderer Angehörigen. 
Häufig finden wir hier im Hintergrund übernommene Gefühle und ungelöste Bindungen zu Personen der Herkunftsfamilie, z. B. zu Mutter und Vater, oder zu anderen, meist ausgeblendeten oder abgewerteten Mitgliedern dieser Familie.

Abschied nehmen

Die Motive kindlich-blinder Liebe zu durchschauen heißt, den eigenen Blick zu öffnen. So kann bislang Ungesehenem Platz gegeben werden und man kann einen eigenen Standpunkt finden, der es möglich macht, von Verstrickung und Illusion Abschied zu nehmen.

Auch wenn es eigenartig klingt: Viele schwere Probleme in Paarbeziehungen haben wenig mit der Liebe dieser Menschen zu einander zu tun. Solange sie blind verbunden sind mit ihrer Herkunft, bleiben sie im Grunde einander fremd und zerreiben ihre Liebe bei den vergeblichen Versuchen, sich gegenseitig zu heilen oder glücklich zu machen. Tragisch ist es manchmal zu sehen, wie gute Absichten so wenig gutes und lebendiges Miteinander ergibt.

Auffällig ist auch, dass Paare oft aus einer tieferen und ungewussten Seelenverwandtschaft zu einander findenund in solchen Seminaren verwundert feststellen, dass sich in beider Herkunft ähnliches Schicksal zeigt. Die Anstrengungen in dieser Arbeit hier dienen also der "Liebe auf den zweiten Blick".

Unterbrochene Hin-Bewegung

Eine andere wichtige Dynamik, die streng genommen nicht systemisch ist, sich aber in der Paarbeziehung, in der Familie und anderen Gemeinschaften nachteilig auswirkt, ist die unterbrochene Hinbewegung. Hier geht es um eine frühe Trennung des Kindes vor allem von der Mutter, aber auch vom Vater.

Später, in der Übertragung auf andere Lebensfelder, besonders auf Liebesbeziehungen, können reflexartig frühe Ängste, untröstliches Misstrauen, Rückzug und Kältegefühle, aber auch große Unzufriedenheit, Enttäuschung, bis hin zu Trotz, Wut und Hass, auftauchen. Es gelingt dann nicht, sich dem Partner oder auch anderen Mitmenschen so zuzuwenden, dass man jenes nehmen und nutzen kann, was dieser gibt oder ist. Auch bilden sich Überzeugungen wie z. B. "Ach, immer dasselbe", "Das hat doch alles keinen Sinn" bis hin zum trotzigen "Ich werde mich nie mehr schwach zeigen" oder wütenden "Mit mir nicht!". Meistens sind es bekannte, von Zeit zu Zeit auftauchende Gefühlszustände und Denkinhalte.

Viele Nähe-Distanz-Probleme haben damit zu tun. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten therapeutisch zu helfen und solch ein Verhalten zu verändern, u.a. während einer Familienaufstellung.

Sinn von Krankheit

Zusammenhänge zwischen Krankheit, Seele und der früheren oder jetzigen Schicksalsgemeinschaft können durch Familienaufstellungen nicht nur verstanden, sondern auch gesehen und gefühlt werden.

Der geheime Sinn von Krankheit ist oft, jemandem in der Familie ähnlich zu werden, z. B. einem behinderten oder kranken Angehörigen. Oder jemandem unbewusst nachzufolgen, z. B. einem früh Verstorbenen. Oder das Unglück Nahestehender durch eigenes Leid übernehmen zu wollen, auch unbewusst zu sühnen für fremde oder eigene Schuld.

Die hier erarbeiteten Lösungen unterstützen eine ärztliche, heilkundliche oder psychiatrische Behandlung, dürfen aber nicht als Ersatz dafür angesehen werden.

Berufswelt

Hinter Fragestellungen und Problemen, die in der Arbeitswelt auftreten, stecken meist Störungen der Arbeitsbeziehungen. Ähnlich wie in den Familienaufstellungen dienen hier die Organisations- bzw. Arbeitsbeziehungsaufstellungen dem besseren Verständnis verborgener Dynamik.

Durch diese Methode wird die Lücke zwischen intellektueller Erkenntnis und lebendiger Erfahrung geschlossen. Notwendige Neuerungen oder Entscheidungen werden schrittweise vorbereitet.

Weshalb Familienaufstellungen?

Wenn unser Verhalten immer wieder unvernünftig ist und wir es dennoch nicht ändern können und darunter leiden, kann dies mit unseren Ansichten über uns oder andere Menschen und der Art unseres Umgangs mit ihnen zu tun haben.  

Diesen erlernen wir im Wesentlichen in unserer Familie. Die verborgenen, unbewussten Einstellungen und Regeln können uns in unserer Entwicklung unterstützen oder auch hindern.

Dies Lernerfahrungen oder Kräfte aus der Familie tragen viel zu unserem Verhalten und zu unserer Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben bei.

In der Familienaufstellung stellen Sie Ihr eigenes Familienbild mit der Unterstützung anderer Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Aufstellungsgruppe im Raum auf, und Sie wandeln es durch Erleben, Einsicht und Anerkennung im Richtung auf mehr Harmonie und gewinnen ein freieres, kraftvolleres Selbstbild und damit Verhalten.

Die Fragen können sich auf familiäre, partnerschaftliche oder beispielsweise auch auf berufliche Schwierigkeiten beziehen. Grundsätzlich sind alle sozialen Systeme „aufstellbar“. Es sind beispielsweise auch Aufstellungen von Firmenstrukturen oder politischen Strukturen möglich.

Bindungen und unterstützende Bezüge werden Ihnen deutlicher oder überhaupt erst sichtbar. Abhängigkeiten können Sie lösen und übernommene Aufgaben zurückgegeben. Dies erleichtert und befreit, macht Sie bereit für die umfassendere Bewältigung der eigenen Lebensaufgaben.

Das Loslassen einschränkender Verhaltens- oder Denkmuster und das Vertrauen in die stärkenden Kräfte bringt oft auch weiter gehende Lösungen für verschiedene andere anstehende Aufgaben und Lebensbereiche mit sich. 
  
Anwendungsbereiche

Viele Menschen fühlen Belastungen in ihrem Leben, die sie nicht so leicht loswerden und sich manchmal nicht so recht erklären können. Diese wirken sich dann oft in verschiedenen Lebensbereichen aus.

Beispiele dazu aus der Praxis aus verschiedenen Bereichen:

Partnerschaft bzw. Bindungsfähigkeit :

Soll eine Beziehung eingegangen werden?

Besteht noch die Möglichkeit eine Beziehung wieder zu beleben oder soll ich die Beziehung lieber beenden?

Wieso suche ich mir immer Partner, die sich ähneln und mit denen es nicht gut gehen kann?

Was kann ich tun um eine frühere Partnerin endlich zu vergessen und die Sache abzuschließen?

Ich lebe meine Partnerschaft wie meine Eltern es taten. Und das tut uns nicht gut. Was tun?

Meine Beziehungen dauern nie länger als ein Jahr. Was mache ich falsch?

 Familie:

-Wie kann ich mich mit meinen Geschwistern besser verstehen?

-Ich will mich mit meinen Eltern wieder versöhnen. Wie?

-Mein Sohn ist auf der schiefen Bahn. Kann ich etwas tun?

-Meine Tochter soll es einfacher haben als ich. Kann ich ihr noch etwas für ihr Leben mitgeben?

-Was  kann ich dafür tun, dass es meiner Enkelin besser geht?

 Beruf:

-Soll ich lieber in meinem Beruf bleiben oder mich doch umorientieren?

-Wie komme ich mit meinem Kollegen besser zurecht?

-Was kann ich tun, damit meine Mitarbeiter besser zusammenarbeiten?

- Immer Ärger mit dem Chef. Obwohl ich mich so bemühe!

-Wie werde ich erfolgreicher im Beruf?

 Anderes:

-Ich will mehr Zufriedenheit in meinem Leben!

-Wie komme ich zu innerer Ruhe?

-Soll ich in meine alte Heimat zurück gehen?

-Ich brauche Klarheit um in meinem Leben weiter zu kommen!

-Alles ist so schwer. Wie kann ich es mir leichter machen?

-sind sehr belastende Dinge passiert. Damit soll Schluss sein! Wie schließe ich das ab und nehme    mein Leben jetzt selbst in die Hand?

Familienstellen. Wie geht das?

In der Aufstellungsgruppe sitzen die Teilnehmer/innen im Kreis und nachdem sich alle vorgestellt und etwas kennen gelernt haben, besteht für Sie die Möglichkeit Ihr Problem bzw. Ihre persönliche Fragestellung im Gespräch mit mir zu äußern und genau zu definieren. Hierbei werden auch wichtige Familiendaten erkundet.

Durch die Auswahl und die Aufstellung anderer Gruppenmitglieder repräsentieren Sie Ihr Familiensystem und die Fragestellung bildhaft. Die gewählten Gruppenmitglieder werden durch die Fragestellerin / denFragesteller im Raum aufgestellt. Dies geschieht unter meiner Anleitung.

Die Herkunftsfamilie wird meist dann aufgestellt, wenn es um Schwierigkeiten geht, die Ihnen schon seit langer Zeit bekannt, oft lebenslang vertraut sind. 
Handelt es sich um neue oder situationsspezifische Fragen - Schwierigkeiten in der Partnerschaft oder mit Kindern, kommt auch die gegenwärtige Situation oder Gegenwartsfamilie zur Aufstellung in Betracht.

Die Repräsentanten äußern sich unter meiner Anleitung und treten so in Austausch miteinander und mit dem System einschließlich vielleicht fehlender Personen und können für sich und in Folge für die Aufstellenden vorteilhaftere Positionen im familiären System finden. Hierbei werden sie durch meine Nachfragen hinsichtlich ihrer Befindlichkeit reflektiert und begleitet. Dies bewirkt eine neue Ausrichtung des Systems in Richtung von Wahrheit, Aufrichtigkeit, ja sogar Liebe. Dies stärkt alle.

Nachdem das System zu einer stärkenden neuen Ordnung gekommen ist, kann die oder der Aufstellende ihre / seine Position einnehmen und sich auf diese Erfahrung, dieses neue Bild, diese harmonischere und stärkende Ordnung einlassen und sie und damit sich und die eigene Position im System festigen. Häufig sind hier lösende Sätze notwendig, die sowohl der Orientierung im System dienen, als auch Akzeptanz und daraus folgend Neuorientierung unterstützen.

Die innere Neuorientierung auf die gestärkte Position im System hin darf sich entwickeln und die Aufstellerin / der Aufsteller können bisher blockierte Energien freisetzen.

Oft wirkt das erreichte Bild noch lange nach und verschiedene neue und stärkende Aspekte treten in Erscheinung. Nach meiner Erfahrung können tief greifende Änderungen, die von TeilnehmerInnen auf die Aufstellung zurückgeführt werden, noch ein Jahr nach der Aufstellung eintreten. 
  
Wie können Sie sich auf die Familienaufstellung vorbereiten?

Sie sollten sich vorher über Ihre Familie informieren. 
Fragen Sie Ihre Eltern, Geschwister und andere Angehörige nach schweren Familienereignissen, wie toten, vermissten oder früh erkrankten Angehörigen, gestorbenen, abgetriebenen oder abgegangenen Kindern, Familiengeheimnissen, Verbrechen, früheren Beziehungen, Kindern aus anderen Beziehungen, Krieg, Flucht und Vertreibung, Erbstreitigkeiten oder Krankheit, Missbrauch, Tod, „dunkle“ oder verheimlichte Seiten. 
Je mehr Sie erfahren, desto einfacher, klarer und hilfreicher kann die Aufstellung für Sie werden. Wichtig sind dabei besonders die leiblichen Vorfahren aus der eigenen Linie. 


Was ist eine Einzelaufstellung?

In einer Einzelaufstellung nehmen Sie allein nach und nach die verschiedenen Rollen der Personen ein, die für Ihr Anliegen wichtig sind. Sie spüren das Befinden und die Bedürfnisse der entscheidenden Menschen direkt am eigenen Körper. Dies mag sich seltsam anhören, doch wenn Sie diese Erfahrung gemacht haben, können Sie die Befindlichkeiten der anderen Familienmitglieder viel besser nachvollziehen.
Weil der Rollenwechsel immer wieder während der Aufstellung notwendig ist, dauert eine solche Aufstellung oft etwas länger als eine Aufstellung in der Gruppe.
Haben Sie vorher schon einmal in der Gruppe eine Aufstellung gemacht, so sollte alles flüssig ablaufen. Falls Sie bisher keine derartigen Erfahrungen gemacht haben oder nicht in Psychotherapie sind oder waren, rate ich grundsätzlich dazu, zuerst eine Gruppenaufstellung zu besuchen.

Systemstellen

Systemstellen bringt die "innere Bühne" nach außen, macht verborgene Mechanismen und Zusammenhänge sichtbar, um Ordnung herzustellen, in der jeder den anderen achtet, ihm seinen Platz gibt und seinen eigenen annehmen, einnehmen und ausfüllen kann. So dass das ganze System, dessen Teil wir sind, wieder im Fließen ist. Dann können sich Blockaden lösen und Wunden heilen. Erst dann können wir wirklich zufrieden, glücklich und erfolgreich leben.

Unser erstes System ist unsere Familie, in die wir hineingeboren wurden. Unsere ersten Bezugspersonen sind unsere Eltern, und wir suchen bei ihnen - bewusst oder unbewusst - Liebe, Zuwendung und Schutz. Ist diese erste Beziehung gestört, dann ist auch die Grundordnung gestört, und die Seele versucht, diese Lücke in unserer Persönlichkeit auszufüllen. Sie lädt sich Lasten auf, die nicht zu ihr gehören, um geliebt, beachtet und anerkannt zu werden. Um, wenn es schon keinen eigenen Platz gibt, "irgendeinen Platz" zu haben. Wir fangen an, den Eltern etwas abzunehmen, und oft verachten wir sie gleichzeitig für ihre vermeintliche Schwäche. Wir fühlen uns größer und stärker und berauben uns damit der Möglichkeit, von den Eltern das Wichtigste zu nehmen, was nur sie uns geben können: unsere weibliche bzw. männliche Kraft, unsere Initiation durch sie.

Bleibt dies unerfüllt, tragen wir die Sehnsucht danach in alle späteren Beziehungen hinein, in partnerschaftliche, freundschaftliche oder in Arbeits-Beziehungen. Wir bezeichnen diesen Ablauf als "unsere Verstrickungen", die von Generation zu Generation "weitervererbt" werden. Eine Dynamik, die sich in den endlosen Wiederholungen bestimmter Ereignisse oder Schicksalsschläge innerhalb eines Familien-Verbandes widerspiegelt.

Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass das, was wir "von den Eltern nehmen", nichts mit dem zu tun hat, was unsere Eltern als Persönlichkeiten sind. Denn auch unsere Eltern sind Kinder von Eltern und diese wiederum von Eltern... So sind wir alle Persönlichkeiten mit Verstrickungen.

Was passiert in der Aufstellung?

Ein/e Teilnehmer/in wählt aus dem Kreis der Teilnehmer Repräsentanten für das, was er/sie sichtbar machen möchte und stellt diese nach seinem/ihrem inneren Bild zueinander.
Die Stellvertreter erleben nun das "Wunder", plötzlich in "anderen Schuhen" zu stecken, Gefühle und Gedanken zu haben, von denen sie bisher nichts wussten und so zu antworten, als ob sie jemand ganz anderer wären.
Der Therapeut erarbeitet mit den Teilnehmern ein "Lösungsbild", in dem jeder seinen Platz hat, so dass "die Kraft der dynamischen Ordnung" wieder fließen kann und Lösungen möglich werden.
Die Aufstellungsarbeit ist daher ausdrücklich lösungsorientiert.

Was kann aufgestellt werden?

Nahezu alles. Konkrete und abstrakte Themen. Neben Aufstellungen der Familie können auch Entscheidungsschwierigkeiten aufgestellt werden. sogar Krankheiten, Besitzverhältnisse, Ängste, Blockaden, Beruf, Erfolg, Geldprobleme, Häuserverkäufe ..........

Wie wirkt die Aufstellung?

Wir gehen davon aus, dass wir alle nicht getrennt voneinander sind, sondern auf eine ganz bestimmte Weise miteinander verbunden.
Der Physiker Rupert Sheldrake spricht von den morphogenetischen, den wissenden Feldern. Ist es nicht uns allen schon so gegangen, dass wir an jemanden denken und dass plötzlich das Telefon klingelt und dieser Jemand dran ist. Oder: Es werden jeweils am anderen Ende der Welt die gleiche Erfindungen gemacht, und beide Erfinder behaupten, dass jeweils der andere abgeschrieben hätte. So ist es auch zu erklären, dass die Stellvertreter die Gefühle der Person, für die sie stehen, empfinden können.
Wir arbeiten auf einer Zeitachse. Wann genau sie greift, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass die Wirkung gleich dreifach heilsam ist:

Für den, der aufstellt. - Für den, der aufgestellt wird. - Für das ganze System, das aufgestellt wird. Denn wir alle sind Teile vom Ganzen.

Von Wilfried De Philipp